Donnerstag, 23. April 2015

Glückskekse selber machen: Einmal quer durch alle Gefühlslagen

Jeden Montag lädt die Geschäftsführung zum gemeinsamen Mittagessen in ein asiatisches Restaurant und es ist zum Habitus geworden, dass der dort erlangte Glückskeks über Gedeih und Verderb zumindest des folgenden Nachmittags entscheidet. Als ausgefuchste Glückskeksspezialisten haben wir natürlich sofort gemerkt, als der Lieferant gewechselt wurde: Die Glückskekse waren nicht mehr so knusprig. Die Sprüche haben nachgelassen. Und mindestens 3 Personen am Tisch hatten denselben. Nicht besonders einfallsreich für einen Glückskeks: „Du bist ein glücklicher Mensch.“ So viel Glück auf einen Haufen? Na, wir wollen mal nicht gleich übertreiben. Um wieder ein bisschen Schwung in den Montagnachmittag zu bringen, habe ich eines schönen Sonntagmorgens gedacht: Überlege dir (oder klaue aus dem Netz) lustige Sprüche, backe Glückskekse und verhelfe deinen Arbeitskollegen endlich wieder zu mehr Orientierung im Leben! 

Glückskekse selber backen

Gesagt, getan. Rezepte für selbst gemachte Glückskekse gibt es im Internet ja zuhauf, die meisten unterscheiden sich aber nicht großartig voneinander und beinhalten Eiweiß, Puderzucker, Butter und Mehl. Ich habe mir für meinen Versuch hier eines der am meisten in einschlägigen Kochforen und Rezeptdatenbanken vertretenen Rezepte ausgesucht. 
Doch dann: Kaddaschdroof!!! Denn leider muss man sagen, einfach locker ein paar Glückskekse aus der Hüfte schütteln is´ nicht. Ich habe schon ziemlich lange nichts mehr gebacken, das bei den erstEN VersuchEN so dermaßen daneben gegangen ist. Ich habe auch schon an dem Rezept gezweifelt, aber es gab einfach so viele gleiche oder zumindest sehr ähnliche Rezepte, dass es doch bitte einmal ein leibhaftiger Mensch geschafft haben muss, so einen kleinen schnuckeligen Keks zu backen! Vom allerersten Versuch gibt es leider nicht mal ein Foto (stellt euch einen dezent gebräunten Klumpen Teig vor, aus dem ein Papierfetzen ragt), die Glückskekse der Bleche 2 und 3 sahen in etwa so aus wie der untere Keks auf dem vorletzten Foto und erst dann näherte ich mich allmählich dem an, was man unter einem gemeinen Glückskeks versteht. Es erfordert also schon ein bisschen Geduld, Konzentration und vor allem Schnelligkeit, um ein akzeptables Ergebnis zu bekommen. Wenn man den Dreh dann jedoch mal raus hat, läuft es wie am Schnürchen. Und so setzte nach der Achterbahn der unschönen Gefühle doch noch das große Grinsen ein, als der erste perfekte Glückskeks in das Tütchen wanderte.



So, bevor es nun also an das klassische (Allerwelts-) Glückskeksrezept geht, habe ich hier nochmal die wichtigen Punkte zusammengefasst, auf die es meines Erachtens beim Backen ankommt. Superwichtig für die Zubereitung von selbstgemachten Glückskeksen ist also folgendes:

  • Kreise einzeichnen ist ok, aber ich spare mir das in Zukunft, denn wenn ihr einfach einen „guten“ Teelöffel Teig gleichmäßig etwa 1-2 mm dick auf dem Blech verteilt, passt es wunderbar. 
  • Der Teig muss allerdings wirklich gleichmäßig verteilt werden, der Rand darf auf keinen Fall dünner sein als der Rest, sonst droht ein Blech für die Tonne. Das Verteilen klappt am besten, wenn ihr mit der Rückseite eines Teelöffels von innen nach außen „Kreise zieht“. Das auf dem Foto neben dem Bleistiftkreis ist noch nicht gut verteilt. ;-)
  • In den meisten Rezepten wird geraten, die Glückskekse so lange zu backen, bis der Rand gebräunt ist. Das stimmt im Prinzip auch, aber hier ist tatsächlich nur ein Hauch dezente Bronzage gemeint, sonst werden sie ruckzuck hart und der Rand hält nicht mehr zusammen.
  • Vergesst Spatel oder ähnliches, ein einfaches Messer ist perfekt, um die dünnen Kekse vom Backpapier zu lösen.
  • Ohne Nachbacken der eigentlich schon fertig gefalteten Glückskekse hat es bei mir nicht funktioniert und die Kekse blieben weich. Also unbedingt nochmal eine kleine Extrarunde im heißen Backofen!
  • Wenn ihr die Sprüche von Hand schreibt, nehmt einen möglichst wasserfesten Stift, keinen Füller oder normale Filzstifte. Wenn ihr sie druckt, ist Schriftgröße 6-8 je nach Schriftart passend.
  • Bedenkt, dass man nur schwer kennzeichnen kann, welcher Spruch in welchem Glückskeks landet. Wenn ihr also lustige Schenkelklopfer für die Arbeitskollegen vorbereiten wollt, achtet darauf, dass an diesem Tag nicht gerade der Typ vom Datenschutz da ist und auch einen Keks will. „Ein jeder ist seines Glückes Schmied - doch nicht jeder hat ein schmuckes Glied“ und „Trinke Wasser um deine Leber zu überraschen“ sagen zum Beispiel nicht jedem zu. Hihi. :-)
Sprüche für Glückskekse


Hier kommt das Rezept für etwa 18 selbst gemachte Glückskekse

Zutaten:
40 g Butter
3 Eiweiß
eine Prise Salz
60 g Puderzucker
60 g Mehl

18 kleine Zettelchen mit Glückskekssprüchen

Zubereitung:
Die Butter in einem kleinen Töpfchen erhitzen und langsam schmelzen, aufpassen, dass sie nicht bräunt. Beiseite stellen und etwas abkühlen lassen. Eiweiß mit einem Schneebesen leicht schaumig rühren, aber auf keinen Fall steif schlagen. Eine Prise Salz und den Puderzucker dazugeben und verrühren. Mehl dazusieben, unterrühren und die geschmolzene Butter zufügen, alles gut miteinander verrühren. Jetzt solltet ihr einen sehr zähflüssigen Teig haben. Ofen auf 180° vorheizen.

So, jetzt kommen die ominösen Backpapierkreise - wenn ihr sie denn braucht.
Auf die Rückseite eines Backpapiers zeichnet ihr drei ca. 8 cm große Kreise. Es empfiehlt sich, immer maximal 3 Glückskekse auf einmal zu backen, sonst werden sie zu schnell hart. Ich habe für meinen ersten Versuch einen Deckel von den mittelgroßen IKEA-Vorratsdosen genommen, der hat 9 cm Durchmesser, hab dann halt ein bisschen freigelassen. Das Backpapier dann mit der unbemalten Seite nach oben auf ein Blech legen, den sonst habt ihr nachher „Stift“ mit in euren Glückskeksen. Für die Glückskekse in jeden Kreis einen ordentlichen Teelöffel Teig geben und glatt streichen, bis der Teig etwa die Größe des Kreises hat. Später habe ich keine Kreise mehr gezeichnet, sondern 1 TL Teig einfach gleichmäßig verstrichen.
Die Glückskekse etwa 5 Minuten auf der mittleren Schiene backen. Die Ränder sollen ganz leicht braun werden, aber wirklich nur einen Hauch.

Selbstgemachte Glückskekse

Und ab jetzt ist Action angesagt! Schnell, schnell! Zieht das Blech aus dem Ofen und löst den ersten Glückskeks mit Hilfe eines Messers vom Backpapier. Einen gefalteten Zettel leicht neben die Mitte des Glückskeks legen (Achtung, nicht andrücken, er verbindet sich sonst mit dem Keks) und den Keks zu einem Halbkreis zusammenklappen. Drückt die Ränder schön fest an, nur nicht da, wo der Zettel liegen könnte (spätestens hier merkt ihr übrigens, wenn eure Ränder zu knusprig geworden sind, dann halten sie nämlich nicht mehr zusammen, alles im Eimer, nächstes Blech, juhu!). Nun den Keks sofort mit der Mitte der langen geraden Seite über den Rand eines großen Glases oder einer schmalen Schüssel stülpen, so bekommen die Glückskekse den typischen Knick. Mit den restlichen zwei Kreisen ebenso verfahren. Nachdem sie etwas ausgekühlt sind, erneut in den Backofen geben und auf jeder Seite noch einmal 2 Minuten nachbacken. Dann auf einen Rost oder Teller legen und vollständig auskühlen und trocknen lassen. Dann sind sie hart. Und erst dann dürfen sie ins Tütchen. Nach und nach aus dem restlichen Teig auf diese Art weitere Glückskekse backen.

Selbstgemachte Glückskekse - einfaches Rezept


Verpackt habe ich die Glückskekse übrigens in kleine leicht transparente Tütchen, ich kenne sie als Apothekertütchen oder Samentütchen, gibt´s bei Ebay für etwa 5 Euro/100 Stück. Sie eignen sich für alle möglichen Kleinigkeiten und mit Washi Tape sieht es auch noch hübsch aus.

Was natürlich besonders toll an selbst gemachten Glückskeksen ist: Sie schmecken nicht nur besser, sondern ihr könnt die Sprüche auch wunderbar auf diejenigen auslegen, die sie später futtern dürfen. Ich finde das eine sehr tolle Idee für Partys, Hochzeiten, Familenfeschtle oder auch als Mitbringsel für liebe Freunde. Aber: Ob ich für eine große Party 100 Glückskekse selber backen möchte …?

Ich zitiere zum Schluss lieber den wissenden Winfried, der auf brigitte.de den wohl hilfreichsten Kommentar zum Gelingen der Glückskekse verfasst hat:

„Wieso selber backen? Im Asia-Shop kann man die Kekse (gebacken in Deutschland!) kaufen - mit einer Pinzette das Sprichwort entfernen und ein passendes, selbst gefundenes, evtl. geschriebenes hineinstecken. GÜNSTIG - PRAKTISCH - KREATIV“

Mal ganz ehrlich: Wo er Recht hat, hat er Recht. :-)

Rezept für selbstgemachte Glückskekse



Ich wünsch euch was, bis bald! 

Mittwoch, 11. März 2015

Flammkuchen mit Ziegenkäse und Birne: Dauerbrenner in Sachen Reisehunger

Pünktlich vor der letzten Eskapade meines Immunsystems habe ich Post vom Gräfe und Unzer-Verlag bekommen: Reisehunger, das neuste Werk von Nicole Stich. Himmel, die können Gedanken lesen! Denn was gibt es Schöneres, als von Sonne, Urlaub, fremden Länden und vor allem gutem Essen zu träumen, während man mitten im (zu diesem Zeitpunkt echt total schnöden) Rhein-Main-Gebiet das Bett hüten und Kohletabletten in Wasser auflösen muss!


Wenn ich an Nicole Stich denke, stellt sich tatsächlich immer ein kleines Gemütlichkeitsgefühl ein. Vor etlichen Jahren ist mir in einer kleinen Freiburger Buchhandlung ihr erstes Buch sozusagen auf den Arm gesprungen und hat damit für mich die Ära der Foodblogs eingeläutet, denn ich musste natürlich sofort nachschauen, wo es noch mehr von diesen Rezepten, Bildern und Anekdoten einer koch-, back- und essverrückten Münchnerin gibt. Sie und ihr Blog Delicious Days sind für mich also quasi schon immer da, seit ich angefangen habe, im Internet etwas anderes zu tun als Moorhuhn zu spielen - beständig, angenehm unaufgeregt und irgendwie heimelig. Das trifft auch auf Reisehunger zu. Beständig, weil ich schon beim ersten Durchblättern festgestellt habe, dass einige Rezepte darin absolute Dauerbrennerkandidaten sind (Der Kartoffelsalat mit grünen Bohnen! Der Kochlöffelkuchen! Die Zatar-Cracker! Der Flammkuchen!), unaufgeregt, weil alles ohne Chichi, Schäumchen und Selbstbeweihräucherung auskommt, und heimelig, weil die Bilder so echt und rustikal sind, dass man sich am liebsten sofort mit an den Tisch setzen und mitessen möchte. Und ich mag, dass sie so schön erzählt beim Schreiben, es sind eben nicht einfach nur Rezepte, sondern es gibt fast immer auch eine kleine Anmerkung dazu. Und übrigens: Nicky feiert seit ein paar Jahren regelmäßig mit uns Weihnachten, wir huldigen nämlich alljährlich ihren Hazelnut Spritz Cookies, weil sie einfach so unverschämt allerköstlichst auf der Zunge zergehen, wie nie ein anderes Haselnussplätzchen before!


Meine erste Wahl in diesem schönen Buch fällt auf den Flammkuchen mit Ziegenkäse und Birne. Da sind wir schon zu zweit - Micha von Grain de Sel hat sich auch davon bezirzen lassen. Aber ach, kann man´s uns verdenken? Ohne Flammkuchen ist´s doch im Himmel nicht schön - vor allem wenn er so knusprig daher kommt wie dieser hier. :-)


Witzigerweise kann ich in meinem Freundeskreis eine Art Ziegenkäselinie ausmachen, die die Geschlechter voneinander trennt. Heißt: Die meisten Mädels lieben Ziegenkäse, während die männlichen Vertreter ihn entweder überhaupt nicht mögen oder jegliche Form davon zumindest zunächst skeptisch beäugen, beschnüffeln und ihn dann mit einem Naja-kann-man-zur-Not-essen-Gesicht doch noch runterschlucken. Warum das so ist? Große Ratlosigkeit zunächst auf Männerseite, dann die erleuchtungsträchtige Feststellung: „Ihr seid ja auch irgendwie artverwandter!“. Pffff! Damit war ja wohl klar, wer das letzte Stück vom leckeren Flammkuchen gegessen hat. Ohne auch nur einen winzigen Krümel abzugeben - obwohl er meinem Ziegenkäsekritiker hier auch 1a geschmeckt hat. Man hat ja jetzt schließlich einen Ruf zu verteidigen. ;-)


Hier kommt das Rezept für zwei Flammkuchen mit Ziegenkäse und Birne
Für den Teig:
1/3 Würfel Hefe
250 g Weizenmehl (Type 550)
50 g Roggenmehl
1/2 TL Meersalz
1 EL Olivenöl

Für den Belag:
200 g Crème fraîche
50 g Sahne
Meersalz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
frisch geriebene Muskatnuss
2 rote Zwiebeln
2 kleine, eher feste Birnen
100 milder Ziegen(frisch)käse

Außerdem: Mehl zum Arbeiten

Für den Teig Hefe in 175 ml lauwarmem Wasser auflösen. Weizenmehl, Roggenmehl und Salz in einer Schüssel miteinander vermischen. Hefewasser und Olivenöl dazugießen und alles mit dem Knethaken bei mittlerer Geschwindigkeit etwa 5 Min. zu einem geschmeidigen Teig verkneten (geht auch von hand). Den Teig abgedeckt 45 Min. gehen lassen, bis er sein Volumen verdoppelt hat.

Hefeteig auf bemehlter Arbeitsfläche flach drücken, halbieren, zu zwei Kugeln formen und erneut 15 Min. gehen lassen. Backofen mit Blech auf der unteren Schiene auf 250° vorheizen.

Für den Belag Crème fraîche und Sahne verrühren, mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Zwiebel schälen und fein würfeln. Birnen waschen, vierteln, entkernen und ungeschält in feine Scheiben hobeln oder schneiden. 

Ein großes Brett mit Backpapier auslegen. 1 Teigkugel auf bemehlter Arbeitsfläche möglichst dünn ausrollen und auf das Brett geben. Mit der Hälfte der Crème fraîche bestreichen, dabei einen schmalen Rand lassen. Mit der Hälfte der Zwiebeln und Birnen belegen und die Hälfte des Ziegenkäses darüberkrümeln. Flammkuchen mit dem Backpapier auf das heiße Blech im Ofen gleiten lassen und 10-12 Minuten knusprig backen. Mit den übrigen Zutaten ebenso verfahren.

Reisehunger ist ein Buch, das man guten Gewissens auch gerne seinen Freunden schenkt - genau die richtigen Rezepte für gemütliches Beisammensein mit lieben Menschen und gemeinsames Schwelgen in Urlaubserinnerungen. Habt noch eine schöne Restwoche, bis demnächst!

Sonntag, 22. Februar 2015

Zitronen-Mohn-Kuchen und ein kleiner Erguss über Sinn und Zweck von (Tisch-)Manieren

„Ma-ma! Ich mach das doch nicht, wenn ich woanders bin!“ Das in etwa war als Kind meine allgemeingültige Antwort auf Sätze, wie „Nimm die Ellbogen vom Tisch!“, „Sitze gerade!“, „Leg Dein Besteck zusammen“, „Finger aus dem Gesicht!“ und alle anderen Ermahnungen, die das Auftreten nicht nur zu Tisch sondern in sämtlichen anderen sozialen Bereichen betrafen. Bis wir eines Tages mit Bekannten und deren Enkel (Er war cool! Er trug Michael Jackson T-Shirts! Und Nike Airs! Er hatte einen zarten Oberlippenflaum! Schmacht!), der ein paar Jahre älter war als ich - ich war etwa 9 - gemütlich beisammen saßen und ein Video von einem gemeinsamen Urlaub anschauten. Ich bebte vor Aufregung, denn ER saß neben mir auf dem Sofa. Und er reichte mir Chips! Wow!
Das Video zeigte uns alle bei einer Kutschfahrt, später bei einem Ausflug an den Forggensee und zum Schluss bei einer lustigen Feier in einem Allgäuer Landgasthof, wo ich zuerst begeistert mit den Händen zur Musik klatschte, bevor sich meine Linke ein Sandwich griff und mein rechter Zeigefinger bis zum Mittelglied in meiner Nase verschwand. 
Etwa zeitgleich verschwand die Chipstüte außer Reichweite. Seitdem nahm ich Mahnungen meiner Mutter hinsichtlich Anstand und Manieren ernst, zumindest für die nächsten paar Wochen, aber das ist eine andere Geschichte. 

Jetzt nehmt euch erstmal ein Stückchen Kuchen, der ist nämlich echt lecker und, auch wenn er heute vielleicht ein bisschen untergeht, ein guter Kandidat für die Sonntagskaffeetafel! ;-) Nach dem Rezept geht es dann weiter.



Hier kommt das Rezept für den Zitronen-Mohn-Kuchen, die Menge reicht für eine Kastenform

Für den Teig
190 g weiche Butter + Butter für die Form
190 g Zucker
3 Eier
190 g Mehl + Mehl für die Form
1 TL Backpulver
¼ TL Salz
4 EL Mohn (gemahlen)
2 EL abgeriebene Zitronenschale
25 ml Milch
80 g Ricotta

Für die Glasur:
180 g Puderzucker und ca. 2 EL Zitronensaft
1 EL Mohn (gemahlen)

Backofen auf 170 Grad (Ober+Unterhitze) vorheizen. Die Kastenform mit etwas Butter ausstreichen und gleichmäßig mit Mehl bestäuben.
Für den Teig Butter und Zucker mit dem Handrührer schaumig schlagen und die Eier einzeln unterrühren.

Mehl, Backpulver und Salz zusammen in eine Schüssel sieben. Mohn und Zitronenschale untermischen. Die Mehlmischung bei niedriger Geschwindigkeit unter die Buttermasse rühren, dabei nach der ersten Portion die Milch zufügen. Alles zu einem glatten Teig verrühren und zum Schluss den Ricotta unterheben.
Teig in die Kastenform füllen und im vorgeheizten Backofen auf der mittleren Schiene etwa 50-60 Min backen (bei mir 60, aber macht zur Not die Stäbchenprobe: Mit einem Holzstäbchen in den Kuchen stechen, wenn beim Herausziehen kein Teig mehr daran kleben bleibt, ist er fertig).
Kuchen aus dem Ofen nehmen, kurz abkühlen lassen, dann aus der Form nehmen und auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen lassen.
Währenddessen Puderzucker mit Zitronensaft glatt rühren. Es soll eine schön dickflüssige Paste werden, ggf. gebt etwas mehr Puderzucker oder Zitronensaft hinzu, falls sie zu dünn oder zu dick ist.
Abgekühlten Zitronenkuchen mit der Zitronenglasur bestreichen und mit dem geriebenen Mohn bestreuen.

Das Rezept für den Zitronen-Mohn-Kuchen stammt aus dem hübschen Buch „Süße Sünden“.



Auf was ich eigentlich mit dem oben gesagten hinaus will: Wir machen uns so viele Gedanken darüber, was wir essen, wie etwas schmeckt, über die Art der Zubereitung und die Herkunft der Produkte - WIE wir jedoch essen, vor allem auch in der Öffentlichkeit, das ist selten Gegenstand unserer Überlegungen. Es ist in uns drin, ist uns mit den Jahren in Fleisch und Blut übergegangen, so wie wir es gelernt haben, so wie wir es gewohnt sind.

Grund für diesen Beitrag ist mein Besuch neulich in einem kleinen Restaurant mit gehobener gutbürgerlicher Küche. Uns gegenüber ein Pärchen um die 40, chic gekleidet, teurer Wein, man wählt das Menü. Dann plaudern sie - mit vollem Mund, zeigen mit dem Besteck aufeinander, nehmen einen kräftigen Schluck „damit es besser rutscht“, auf den Tellern sieht es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, es klappert, schmatzt und hagelt Zoten, zwischendurch wird mit fettigen Fingern eine Nachricht ins Handy getippt. Ich überlegte kurz, ob sich vielleicht so der Moment anfühlt, in dem der Spießer-Vorhang fällt und man realisiert: Du bist nicht mehr cool. Du regst dich über Dinge auf, die dich nichts angehen. Du wirst als altes, verbittertes Paradebeispiel der Möchtegern-Hautevolee enden, das in trauter Zweisamkeit mit dem Messerbänkchen auch mit Zahnprothese und Tremor noch dem Knigge huldigt. Schau doch einfach weg! Aber dann tat es mir viel mehr Leid um das schöne Essen, um die Atmosphäre, die ich mir dadurch verderben ließ. Und ich habe mir wirklich Gedanken darüber gemacht, ob und in welcher Hinsicht Tischmanieren heute noch zeitgemäß sind, vor allem, was sie mir persönlich bedeuten - denn irgendwie habe ich in den letzten Jahren das Gefühl bekommen, dass immer weniger Menschen es vermögen, "schön zu essen", was immer das eben für einen persönlich bedeutet. Dabei habe ich die nicht gerade waghalsige These aufgestellt, das diejenigen, die sich ohnehin gerne mit Kochen und Esskultur beschäftigen - also ihr und ich! ;-) - auch zu Tisch gewisse Verhaltensweisen pflegen. Für mich beispielsweise sind Tischmanieren nichts anderes als Respekt vor dem Essen, das ich zu mir nehme, und Achtung der Menschen, die es für mich zubereitet haben oder mit denen ich gemeinsam am Tisch sitze. So weit so gut.

Kommt es bei Tischmanieren nur darauf an, wie sie nach außen wirken? Was ist bei Gerichten, die ich mir (ich zitiere mich selbst) „alleine, mit Kohlenhydratejieper im Schneidersitz mit der Schüssel auf den Knien und einem Vorlegelöffel als ‚Schaufel‘ in der Hand“ vor der Glotze reinpfeife, wie es ab und an zum Beispiel bei dem Italienischen Nudelsalat hier geschieht? Oder wenn man nachts nach einer Party mit einer gekonnten Schlangenlinie in die Dönerbude einfällt und eine „Fallallafel mit allem und ääähhhäxtra Käse“ innerhalb von 5 Minuten quasi inhaliert? Müsste da nicht auch die Verinnerlichungstheorie greifen, die einen selbst wenn niemand zuschaut oder man nicht ganz Herr seiner Sinne ist vor einem manierlichen Supergau rettet? Ich glaube sogar, sie tut es. Nicht ganz so galant wie sie es sollte, aber - das bin ich mir 100 % sicher: Ich kaue auch hier mit geschlossenem Mund. Nur ein bisschen schneller. ;-)

Fragen über Fragen, letztendlich steckt in dieser langen Rede wie so oft ein recht kurzer Sinn: Mich würde brennend interessieren, was ihr über Tischmanieren denkt. Hattet ihr auch schon das eine oder andere einschneidende Erlebnis diesbezüglich? Geht es euch manchmal so wie mir, dass ihr euch in einem Restaurant unwohl fühlt, wenn jemandem neben euch das Essen beim Reden quasi wieder aus dem Mund fällt oder sollte ich mir doch noch mal Gedanken machen, von wegen Spießer-Vorhang und so? Und wenn ihr schon Mamis oder Papis, Omis oder Opis seid, achtet ihr bei euren Kindern und Enkelkindern auf Tischmanieren? Ich freue mich über eure Meinungen - nicht zuletzt weil ich im Bekanntenkreis einige hitzige Diskussionen darüber geführt habe und es ganz spannend fand, wie jeder dieses Thema ganz individuell er- und durchlebt.



Zum Schluss nochmal zum Kuchen: Eigentlich gilt das Rezept für eine Kastenform von 20 cm Länge, meine hatte 25 cm – ich fand das ganz gut weil so die Stücke vom Zitronenkuchen nicht so riesig waren. Und man dafür mehrere essen konnte. Tsssihihihiiiii! ;-)
Habt einen schönen Sonntag und morgen einen guten Wochenstart!